Newsletter 3/2026

So, 22. März 2026
20:00 Uhr
Philharmonie Berlin

Felix Mendelssohn Bartholdy – Elias

Julia Sophie Wagner, Sopran
Henriette Gödde, Alt
Lukas Siebert, Tenor
Krešimir Stražanac, Bass

Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt
Philharmonischer Chor Berlin

Gregor Meyer, Dirigent (als Gast)

Das Gespräch mit unserem Gastdirigenten Gregor Meyer weckt Lust auf unser nächstes Konzert am 22. März, 20 Uhr, in der Philharmonie und verrät, warum ein Besuch von Mendelssohns Elias nicht verhandelbar ist. Gregor Meyer äußert sich hier zu eher persönlichen Fragen, eine herrliche Ergänzung zu unserem Podcastgespräch zwischen Sebastian Büchner und ihm, wo das Werk im Mittelpunkt steht (s. Link weiter unten).

Gregor, du bist KL des GewandhausChores in Leipzig, bist Künstlerischer Assistent beim Rias Kammerchor Berlin sowie Gründer des Ensemble 1684, mit dem du dich der barocken Chorliteratur widmest. Ohne im Einzelnen darauf einzugehen hier die erste Frage: Was war dein Weg zur Chormusik?
Mein Weg zur Chormusik war speziell. Anders als viele meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich nicht in Kinder-, Schul- oder Knabenchören gesungen, sondern komme vom Tastenspiel. Ich bin Pfarrersohn aus dem Erzgebirge und habe viele Gottesdienste auf der Orgel begleitet. Nach dem besuch des musikbetonten Gymnasiums Clara Wieck in Zwickau habe ich in Leipzig Kirchenmusik studiert, wobei mir in keiner Weise bewusst war, dass dazu auch Chorgesang gehört. Eigentlich wollte ich vor allem an der Orgel sitzen und meine Ruhe haben. Dann aber hat sich alles doch anders entwickelt. Viele ehemalige Mitschülerinnen und Mitschüler hatten sich in Leipzig zum Studium versammelt und wir beschlossen einen Chor zu gründen, das heutige Vokalconsort Leipzig, mittlerweile geleitet von Franziska Kuba. Damit machte ich meine ersten Gehversuche als künstlerischer Leiter einer größeren Gruppe. Und plötzlich hat es mir sehr viel Spaß gemacht, auch kennenzulernen, was zum Dirigieren und Musik machen an Organisation, Planung von Konzertprogrammen, Werbung usw. hinzukommt. Mehr und mehr verschob sich mein Schwerpunkt im Studium in Richtung Chordirigieren. Nach dem Kirchenmusikstudium, dem Aufbaustudium Konzertexamen habe ich also dann Chorleitung studiert und tatsächlich ein Dreivierteljahr in Leipzig als Kirchenmusiker gearbeitet. Mit 27 kam ich dann ans Gewandhaus, wo ich nun seit fast 20 Jahren Chorleiter bin.

Würdest du diesen Berufsweg noch einmal gehen?
Definitiv ja! Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen und merke, dass das eine Reise ist, die nie aufhört, sondern über die Jahre hinweg immer mehr in die Tiefe führt. Zwar kommt man immer mal an Punkte, wo man denkt, jetzt hab‘ ich’s kapiert, jetzt weiß ich, wie’s geht, und es kann mir nichts mehr passieren, aber dann – Pustekuchen – gibt es irgend ein neues Thema, womit man sich beschäftigen kann. Es gibt viele Berufe, wo man sich mit den technischen und entwicklungstechnischen Neuerungen konfrontiert sieht und sich fortbilden muss, um den Anschluss zu behalten. In der Musik bedeutet Fortbildung auch die permanente Auseinandersetzung mit sich selbst als Mensch, als Typ, als Führungspersönlichkeit einer größeren Gruppe, als Medium künstlerischen Ausdrucks. Das ist zuweilen sehr anstrengend, wenn man sich beispielsweise mit den eigenen, auch manchmal psychischen Grenzen auseinandersetzen muss und dabei Dinge über sich selber lernt. Diese ständige Selbst-Konfrontierung empfinde ich als Komfort und Geschenk. Noch einmal: Ja, diese Reise würde ich immer wieder tun. Wenn ich irgendwann mal ein Buch schreibe, dann heißt es definit „Traumjob Chorleiter“.

Gehen wir zum PhilChor über: Warst du von Florians Anfrage, bei uns den Elias zu übernehmen, überrascht?
Ja, Ich kenne Florian schon sehr lange. Wir haben zusammen in Leipzig studiert. Auch euch kenne ich aus der Ferne schon lange. 2011 haben wir ja in Merseburg gemeinsam das große Christus-Oratorium von Franz Liszt aufgeführt, haben damals nicht wirklich zusammenmusiziert, sondern uns als Philharmonischer Chor und GewandhausChor abgewechselt.
Ihr seid in der semiprofessionellen Oratorienchorszene in Deutschland bekannt und ich habe mich, als ich gehört habe, dass Florian euer neuer Leiter wird, total gefreut. Herzlichen Glückwunsch für euch und für Florian, dachte ich und wusste, dass das eine richtig gute Sache wird. Irgendwann rief er mich dann an, um mich für dieses Projekt einzuladen. Da habe ich mich reich beschenkt gefühlt, weil ich meinen ersten Elias mit euch in Berlin in der Philharmonie aufführen darf. Tatsächlich schlafe ich schon ein wenig schlecht deswegen, nicht aus Nervosität, sondern aus freudiger Aufregung, dass diese Reise jetzt in die Ziel gerade geht. Ich kann nur Danke sagen an euch und an Florian, dass ihr mir dieses Vertrauen schenkt und dass wir diesen Weg jetzt zusammen gehen.

Welche Beziehung hast du zum PhilChor?
Soeben haben wir unsere gemeinsame Liszt-Aufführung erwähnt. Und dann gab es noch eine Begegnung beim Dirgentenforum 2008, wo ich dann in der Endrunde auch auf euch getroffen und gescheitert bin. Irgendwie hatte ich da keinen guten Tag, oder, was auch immer… Aber es ist vollkommen in Ordnung, so ist das manchmal. Zum Schluss musste sich die Kommission für zwei Menschen entscheiden und das war in diesem Fall nicht für mich. Ich weiß, dass ich damals ein bisschen daran geknabbert habe. Aber auch das ist eine jener sinnvollen Krisen, die etwas in Gang gesetzt haben. Jetzt komme ich nach fast 20 Jahren wieder zu euch, lerne euch noch einmal neu kennen und bin sowohl musikalisch als auch menschlich sehr angetan von euch, Ich wurde mit geöffneten Armen von euch empfangen. Ihr seid ein wunderbarer Chor, eine tolle Gruppe Menschen und, wenn man so will, von jung bis in die besten Jahre ein Abbild der Gesellschaft, und alle ziehen an einem Strang. Ich finde es beeindruckend, wie viele Menschen sich bei euch engagieren und in unterschiedlichen Positionen sich um das Chorleben bemühen! Also noch einmal: Toller Chor und ich habe das Gefühl, wir haben uns jetzt eine wirklich schöne Beziehung für dieses Projekt erarbeitet.

Warum ist das dein 1. Elias? Du leitest den GewandhausChor in Leipzig. Eigentlich dachte ich, das wäre deine soundsovielte Elias-Aufführung.
Ja, es ist wirklich mein erster Elias. Mendelssohn steht seit jeher bei mir ganz oben. Den Paulus habe ich schon mehrfach gemacht, entweder einstudiert oder auch selbst geleitet, den Lobgesang natürlich, die Psalmenvertonungen, das Christus-Oratorium, Wie der Hirsch schreit, die Motetten machen wir ganz oft, ebenso die weltlichen Gesänge – aber der Elias war bisher nicht dran. Und jetzt sitze ich mit euch auf dem Elias-Schiff und segle durch dieses wunderbare, hochdramatische, ergreifende Oratorium.

Hast du eine bestimmte Vorstellung von deiner Elias-Premiere? Dumm gefragt: Wie soll sie idealerweise sein? Was reizt dich daran?
Der Elias wird gern als Mendelssohns Ersatz-Oper benannt. Und genau so etwas möchte ich erreichen, dass die Menschen im Konzert sitzen und die zweieinhalb Stunden Musik wie im Fluge vergehen, dass sie von der ersten Note bis zum Schluss gebannt sind. Dass das Publikum auf die ganze Reise vom Drama um die Baals-Anbeter im ersten Teil bis hin zu Elias‘ Lebenskrise im zweiten Teil mitgenommen wird, dass in den Hörern und Hörerinnen etwas angeregt wird, was für sie selbst relevant ist. Dass es also nicht nur um gute Unterhaltung geht, sondern etwas transportiert wird, was aus dem Leben kommt und ins Leben eines jeden, einer jeden Einzelnen Einzug findet.

Hast du Vertrauen in den Chor? Wünschst du dir einen bestimmten Ausdruck, eine Wandelbarkeit bzw. wie soll der Chor in all den vielfältigen Rollen, die er im Elias bekleidet, als ‚dein Instrument‘ fungieren?
Ja, ich habe absolutes Vertrauen in euch. Wir haben sehr schnell klar gemacht, wohin die Reise gehen soll, in der Vielfarbigkeit, im Drama, im Ausdruck, der Chor in seinen Rollen als Volk Israel bis zu den Engels- und Segnungschören, bis hin zum Erzählen, den Aussagen, die Gott selbst trifft – „Denn ich bin der Herr, dein Gott“. Wir agieren hier auf vielen Ebenen, von der Gotteshöhe bis in die menschlichen Abgründe ist alles dabei. Und dass wir diese Farben alle aus uns herausbringen und es immer wieder lebendig spontan bleibt und nicht nur technisch einstudiert, das ist‘s, was ich mir von euch erhoffe bzw. feststelle, dass das mit euch geht.

Gibt es eine Lieblingsstelle? Und warum ist das dein Herzstück?
„Siehe, der Hüter Israels, schläft noch schlummert nicht.“ Das erste Thema ist absolut schlicht, kommt mit einem Lächeln daher, ist Antwort auf die Depression von Elias. Im zweiten Thema – „Wenn du mitten in Angst wandelst“ – kommt eine gewisse Unruhe auf. Wie beide Themen dann in Takt 44 verschmelzen, die Unruhe vom ersten Thema eingeatmet wird und Ruhe einkehrt, das macht Mendelsohn unglaublich genial – auch wenn jemand mit einer anderen Muttersprache den Text vielleicht nicht versteht, so werden doch alle von dieser Musik umarmt. Das finde ich so berührend und das kann keiner so wie Mendelssohn.

Freust du dich auf das Konzert in der Philharmonie, mit dem BSOF, mit den Solisten?
Ich freue mich sehr auf dieses Konzert. Die Berliner Philharmonie ist natürlich der Konzertsaal unseres Landes, ein Tempel der klassischen Muse und Musik in Deutschland. Dort mit euch stehen zu dürfen und selbst ein Konzert zu leiten, ist toll. Ich kenne den Raum sehr gut als Einstudierer für den GewandhausChor, den RIAS Kammerchor, bin da schon mehrfach gewesen, natürlich auch als Konzertbesucher. Jetzt stehe ich zum ersten Mal auf der Bühne und darf das Ganze verantworten. Das ist, wie ich schon sagte, ein großes Geschenk und ich hoffe, dass wir viele Menschen erreichen, einen wunderbaren Abend haben, von dem ich mit Sicherheit sehr, sehr lange zehren werde.

Vielen Dank, lieber Gregor! Wir freuen uns auf den Elias mit dir, freuen uns sehr auf das gemeinsame Konzert!
Gleichfalls! Toll, dass wir uns kennenlernen dürfen und diesen Weg jetzt zusammen gehen. Also: Unbedingt kommen! Die Aufführung keinesfalls verpassen!

Mehr Informationen befinden sich in unserem Podcast Südfoyer.

Am Konzerttag gibt Harald Asel um 19:15 Uhr im Südfoyer der Philharmonie eine Werkeinführung.

Tickets: www.philharmonischer-chor.berlin

Herzliche Einladung zum Konzert!

Im Namen des Philharmonischen Chores Berlin
Christine Zahn // Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Rückschau: Weltall-Tournee
Am 6. Und 7. März waren die Damen des Philharmonischen Chors Berlin zur Mitwirkung bei drei Sinfoniekonzerten des Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt eingeladen. Unter der Leitung des Dirigenten Sebastian Lang-Lessing kam in Frankfurt/Oder und Potsdam u.a. die Orchestersuite Die Planeten von Gustav Holst zur Aufführung, das Vorbild für die Filmmusik des 20. Jahrhunderts. Der Besuch der PhilChor-Damen im Weltall verursachte, wie ein Konzertbesucher es beschrieb, wahrhafte Gänsehautmomente, „als der Frauenchor nach dem bislang rein orchestralen Feuerwerk unmerklich, dann immer klarer die klangliche Vorherrschaft übernahm, bevor er dann das Werk verklingen ließ.“ Die von Jörg Genslein (RIAS Kammerchor) wunderbar einstudierten Sängerinnen genossen den Ausflug ins Weltall außerordentlich und freuen sich auf Wiederholungen!